Als der Bus am frühen Morgen des Pfingstmontags in Passau startet, liegt eine lange Reise vor der Gruppe, die von Prof. Dr. Hans Mendl und Dr. Rudolf Sitzberger vom Lehrstuhl für Religionspädagogik sowie dem Mentor für Lehramtsstudierende Andreas Paul und Michaela Mendl betreut wird. Doch schon unterwegs wird deutlich, dass die Fahrt mehr sein soll als eine gewöhnliche Exkursion. Mit einem Reisesegen beginnt die gemeinsame Woche, die von Vorträgen, Gesprächen, meditativen und spirituellen Einheiten sowie persönlicher Begegnung geprägt sein wird. Wie bereits in den vergangenen Jahren gestalten die Studierenden die Fahrt aktiv mit: Jede und jeder übernimmt Verantwortung für einen thematischen Beitrag und erschließt den Mitreisenden einen Aspekt der Geschichte, Spiritualität oder Wirkungsgeschichte des Franziskus.
In Assisi angekommen, führt der erste gemeinsame Weg in den Bosco di San Francesco. Zwischen Olivenbäumen und den Hügeln Umbriens beschäftigen sich die Studierenden mit dem Sonnengesang des Franziskus. Bei einer Andacht und der anschließenden LandArt-Gestaltung zum Sonnengesang wird erfahrbar, wie eng franziskanische Spiritualität mit der Wahrnehmung der Schöpfung verbunden ist. Auch die Umwelt-Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus wird in diesem Zusammenhang diskutiert.
An den folgenden Tagen stehen die bedeutenden Wirkungsstätten von Franziskus und Klara auf dem Programm. Die Basilika San Francesco mit ihren berühmten Giotto-Fresken, San Damiano, Rivotorto und die Kirche Santa Chiara werden nicht nur besichtigt, sondern durch die vorbereiteten Referate der Studierenden lebendig erschlossen. Immer wieder wird deutlich, dass die Lebensgeschichten von Franziskus und Klara weit mehr sind als historische Ereignisse. Fragen nach Armut, Frieden, Gemeinschaft und persönlicher Berufung berühren auch junge Menschen heute.
Besonders eindrucksvoll erleben viele Teilnehmende die Begegnung mit den Schwestern von Santa Croce, Klarissen-Kapuzinerinnen. Im Gespräch berichten die Ordensfrauen von ihrem Alltag, ihrem Glauben und ihrer Entscheidung für ein Leben in Gemeinschaft in extremer Form: der Klausur hinter den Klostermauern. Für zahlreiche Studierende wird dadurch sichtbar, dass christliche Ideale nicht nur Gegenstand historischer Betrachtung sind, sondern bis heute konkrete Lebensformen prägen.
Auch die Ausflüge nach Gubbio und Spello eröffnen neue Perspektiven. In Gubbio begegnet die Gruppe der berühmten Wolfsgeschichte des Franziskus und setzt sich mit Fragen von Versöhnung und Friedensstiftung auseinander. In Spello stehen die Entwicklung des Franziskanerordens und seine Bedeutung für die Gegenwart im Mittelpunkt. Das gemeinsame Singen in einer kleinen Kapuzinerkirche St. Severino wird dabei für viele zu einem besonderen Moment der Verbundenheit.
Einen weiteren Höhepunkt bildet die Wanderung zur Einsiedelei Carceri am Monte Subasio. In der Stille der Wälder und auf den Wegen, die Franziskus selbst gegangen ist, wird erfahrbar, warum Rückzug und Gebet für ihn so wichtig waren. Taizé-Gebet, Morgenimpulse und die täglichen Abendrunden in der Kapelle der Unterkunft geben der gesamten Woche einen spirituellen Rahmen.
Am letzten vollen Tag steht die Frage im Mittelpunkt, welche Herausforderungen Franziskus heute an Menschen richtet. In kreativen Projekten setzen sich die Studierenden mit seinen Impulsen auseinander und präsentieren ihre Ergebnisse der Gruppe. Die abschließende Wortgottesfeier macht deutlich, dass die Woche nicht nur Wissen vermittelt hat, sondern auch Raum für persönliche Erfahrungen und neue Perspektiven eröffnet hat.
Als der Bus am Sonntagmorgen wieder Richtung Passau aufbricht, nehmen die Studierenden viele Eindrücke mit nach Hause: die Schönheit Umbriens, die Gemeinschaft der Gruppe, intensive Gespräche und die Begegnung mit einem Heiligen, dessen Botschaft von Einfachheit, Frieden und Geschwisterlichkeit bis heute aktuell geblieben ist.
Lesen Sie dazu auch den Bericht der Teilnehmenden der Universität Innsbruck: https://www.uibk.ac.at/de/praktheol/aktuelles/2026/assisi-2026/
