Department für Katholische Theologie
Meldung

Das Department trauert um seinen Ehrendoktor Prof. Dr. Dr. h. c. Franz Mußner



Franz Mußner wurde am 31.1.1916 im oberbayerischen Feichten in der Nähe von Altötting geboren. Das Gymnasium absolvierte er in Passau und Niederaltaich. 1945 wurde er nach Studien in Passau, Eichstätt und Würzburg im Passauer Dom zum Priester geweiht. Nach Promotion und Habilitation erhielt er einen Ruf zum Professor für neutestamentliche Exegese an der Theologischen Hochschule Trier, bis er 1965 an die damalige Theologische Hochschule Regensburg ging und 1967 zum Ordinarius für Exegese des Neuen Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der neu errichteten Universität Regensburg ernannt wurde, wo er bis zu seiner Emeritierung wirkte. Franz Mußner hat in seinen Publikationen das Neue Testament in seiner ganzen Breite erforscht und mit einem ungeheuren Arbeitseinsatz eine Fülle von Buch- und Aufsatzpublikationen vorgelegt. Von besonderer Bedeutung sind seine Arbeiten zum Epheserbrief und zur historischen Rückfrage nach Jesus von Nazareth, für deren Erforschung er die methodologische Grundlage entwickelte. Am Jakobusbrief zeigte Franz Mußner auf, dass die jüdische Überlieferung integraler Bestandteil christlicher Glaubenspraxis ist, wörtlich: „Ohne sie verdirbt das Christentum!“ Wegweisend war die Art und Weise, wie Franz Mußner jüdischen und christlichen Glauben in ein dialogisches Verhältnis zueinander setzte und dies an den neutestamentlichen Schriften belegte, so zum Beispiel in seinem Kommentar zum Galaterbrief. Die tragende Wurzel des Christentums besteht für Franz Mußner in Israel und seinem in der hebräischen Bibel bezeugten Glauben. Dies reflektierte Mußner in unzähligen Lehrveranstaltungen, Vorträgen und Publikationen. Für seinen erklärtermaßen projüdischen „Traktat über die Juden“ (erstmals erschienen 1979), ein in mehrere Sprachen übersetztes epochales Werk, mit dem Mußner einen Meilenstein zur jüdisch-christlichen Verständigung beitrug, wurde Franz Mußner 1985 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Franz Mußner war auch wesentlich am Aufbau der Theologischen Fakultät Dormitio in Jerusalem beteiligt, an der Studierende beider Konfessionen aus dem deutschen Sprachraum die Möglichkeit erhalten, gewissermaßen vor Ort ihre biblischen Studien zu betreiben. 1978 wurde Franz Mußner ins Passauer Domkapitel berufen und mit der Aufgabe des theologischen Beraters betraut, die er bis 1987 ausübte. Über 25 Jahre lang war Franz Mußner Berater der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und 10 Jahre lang Consultor des Vatikanischen Einheitssekretariats. Am 7. Mai 1996 wurde Franz Mußner als Auszeichnung für sein wissenschaftliches Lebenswerk, das international hoch anerkannt ist, besonders für seine ökumenischen und interreligiösen Anstrengungen, zum Ehrendoktor der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Passau ernannt. Bis ins hohe Alter hinein bereicherte Franz Mußner an unserer Fakultät und dem nunmehrigen Department für Katholische Theologie das wissenschaftliche Leben durch Gastvorträge. Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahre 2006 wurde Franz Mußner von seinen Schülern und Freunden eine Festschrift überreicht, für die Papst Benedikt XVI., mit dem der Geehrte wissenschaftlich und persönlich freundschaftlich verbunden war, ein Grußwort verfasst hat.

Im gesegneten Alter von 100 Jahren hat Franz Mußner sein irdisches Leben am 3. März 2016 vollendet. Das Department für Katholische Theologie wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Prof. Dr. Hans Mendl

Sprecher des Departments für Katholische Theologie

| 14.03.2016