Department für Katholische Theologie
Meldung

Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. theol. Otto Schwankl

Jenseits von Pisa und Bologna. Auf viele glückliche Jahre!

Abschiedsvorlesung Prof. Dr. theol. Otto SchwanklAbschiedsvorlesung Prof. Dr. theol. Otto SchwanklAbschiedsvorlesung Prof. Dr. theol. Otto Schwankl

Schwankl und die Exegese: wahrlich eine Langzeitbeziehung – so manche Ehe zeigt heutzutage nicht annähernd dieselbe Beständigkeit –, dabei aber durchaus eine mit Höhen und Tiefen, wie Schwankl seinem Publikum gestand.

Mit der Abschiedsvorlesung des stets bescheidenen, sympathischen und hilfsbereiten Professors geht diese Liebe natürlich keineswegs zu Ende, und doch markiert die Feierstunde zu seinem Abschied eine entscheidende Station auf einem viele Jahre währenden Weg. Um diesen Moment mit Otto Schwankl zu teilen, waren zahlreiche  Ehrengäste, darunter viele langjährige Weggefährten des Theologen, in den Hörsaal 1 in die Michaeligasse gekommen, um dem Professor "danke" zu sagen für all die Jahre, die er ihnen Gefährte, Freund und Vorbild war, aber auch dafür, dass er einer ist, der stets klar seine Position formuliert und zu seinen Überzeugungen steht.

Department-Sprecher Prof. Dr. Hans Mendl ließ zunächst einige Stationen aus dem Leben des Geehrten Revue passieren. Er fand sehr persönliche Worte, um zu zeigen, was der Professor seinen Studierenden und auch seinen Kollegen bedeutet – eine ebenso humorvolle wie tiefgründige Würdigung:

"Beim Schreiben der Laudatio, lieber Otto, fühlte ich mich, was die Quellenlage betrifft, den synoptischen Evangelisten nahe, die ungefähr 70 Jahre nach der Geburt Christi ihre Texte niedergeschrieben haben. Ich bin sogar einige Jahre früher dran, musste mich aber neben den dürren schriftlichen Angaben auf Augen- und Ohrenzeugen – also auf mündliche Quellen – und apokryphes Sekundärmaterial stützen", begann Mendl, der auf diesem Weg nicht wenig Überraschendes zu Tage gefördert hat; darunter auch eine Erinnerung an das Weihnachtsfest 1956 im Hause Schwankl, das sich – in gewisser Weise zumindest – als "Initialzündung" verstehen lässt: Denn schon damals deutete Otto Schwankl die Elektrifizierung seines Elternhauses mit den Worten "An Weihnachten is Liacht zu uns kemma!" theologisch. Schwankl ist einer der letzten, deren Bildungsweg im Dreiklang Knabenseminar, Priesterseminar und Theologiestudium vor Ort in Passau seinen Lauf nahm. 1974 wurde er zum Priester geweiht, war danach als "Wald-, Wiesen und Granitkaplan" im Pfarrverband Fürstenstein-Nammering und Hauzenberg im Einsatz, bevor er den wissenschaftlichen Weg einschlug: Zwei Mal sieben Jahre schenkte er der "Geliebten", der Exegese, bis er Promotion und Habilitation abschloss. 1995, also vor 20 Jahren, wurde er dann auf den damaligen Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese in Passau berufen. Im Laufe der Jahre, nach immer neuen Umstrukturierungen und Kürzungen im Bereich Theologie, fielen ihm immer mehr zusätzliche Aufgaben zu – Herausforderungen, die er allesamt meisterte, so schwerwiegende Eingriffe sie auch darstellten. Bei all dem, so schloss Prof. Mendl, sei er nie eitel gewesen – "eine Seltenheit gerade in unserem Berufsstand" – und habe nie aufgehört, neben der wissenschaftlichen Arbeit auch Seelsorger zu sein.

Wie sehr das auch den Studierenden bewusst war und ist, zeigte der Vertreter der Hochschulgruppe kontaKT, der in seinem Dankeswort eine ungewöhnliche Rechnung anstellte: Die Zahl der Veranstaltungsstunden multipliziert mit der Zahl der Studenten Prof. Schwankls, umgerechnet in in Wein verwandeltes Wasser – das ergibt mehr Liter als damals bei der Hochzeit zu Kana, eine reiche Ernte. "Und wir hoffen, Sie noch oft hier zu sehen, denn Sie werden uns fehlen", schloss Mosinger.

Die Grüße der Diözese überbrachte Prälat Lorenz Hüttner, jene der Universität Prof. Dr. Daniela Wawra, Dekanin der Philosophischen Fakultät. Beide fanden berührende Worte, um Schwankl zu würdigen. Musikalisch stimmungsvoll gestalteten die Feier Stefan Mosinger, Dr. Roland Feucht und Dr. Bernhard Klinger.

Schwankl selbst hatte sich für seine letzte Vorlesung viel vorgenommen: Unter dem Titel "Fundamentum et anima Theologiae. Zur Lage der Biblischen Exegese 50 Jahre nach Dei Verbum" ging er auf historische Entwicklungslinien seiner Wissenschaft seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein, wobei er besonders die aus seiner Sicht mehr als notwendige Rückbindung der historisch-kritischen Methode an die theologisch-kirchliche Hermeneutik ins Zentrum rückte: "Mir scheint, dass wir diesem Auftrag als Exegeten bisher nur unzureichend nachkommen. (...) Die katholische Exegese ist methodisch zeitgemäß und wissenschaftlich salonfähig geworden, aber sie bezahlt dafür einen hohen theologischen Preis. Die historisch-kritische Exegese liefert enorme Mengen an Informationen, aber nur wenig Nahrung für den, der nach dem Brot des Wortes aus Gottes Mund verlangt."

Wie es ihm persönlich in all den Jahren mit seiner "Geliebten", der Exegese ergangen ist? Auch darauf ging Schwankl ein: Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern eine, die nach und nach wuchs. "Ich muss feststellen, dass es ursprünglich nicht die Exegese war, die mich anzog und in Bann geschlagen hat, sondern ‚Frau Bibel‘. Aber um diese Partnerin beruflich-wissenschaftlich heimzuführen, musste ich ihre mattäugige Schwester in Kauf nehmen." Das Verhältnis zu der "kapriziösen, anspruchsvollen Dame" war und ist kompliziert, nichtsdestoweniger aber sehr spannend, schloss Schwankl mit einem Augenzwinkern.

Text und Fotos: Barbara Osdarty

| 18.06.2015